Was haben Pferde und Fohlen mit Delegieren zu tun?

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Die überraschende Antwort darauf gab es im dritten Kleingruppentreffen unserer Mentor:innen.

Und tatsächlich war es ein Bild, das sofort hängen bleibt: Ein Mentor brachte die Fohlen-Erziehung ins Spiel – denn Verantwortung abzugeben ist kein Schnellschuss. Wie bei jungen Pferden braucht es Zeit, Wiederholung und einen klaren Rahmen, damit Lernen überhaupt möglich wird. Delegieren heißt eben nicht „Mach mal“, sondern: Ziel klären, Erwartungen verständlich machen und Entwicklung zulassen.

Eine Mentorin ergänzte eine zweite, ebenso treffende Perspektive aus der Herde: Pferde „erziehen“ sich gegenseitig – mit natürlicher Autorität, klaren Signalen und gleichzeitig erstaunlich viel Empathie im Miteinander. Das führte direkt zur Frage in der Runde: Haben wir Menschen das verlernt? Klar zu sein, ohne hart zu werden. Führung zu zeigen, ohne zu kontrollieren.

Genau dort setzte unser thematischer Fokus an: Delegieren und Nein-Sagen. Zwei Führungsfähigkeiten, die im Alltag simpel wirken, aber in der Praxis echte Wirkung entfalten können. 

Delegieren: Mehr als „Mach mal“

Im Austausch wurde schnell deutlich: Delegieren scheitert selten an der Aufgabe, sondern eher an inneren Hürden. Perfektionismus („Ich mache das lieber selbst – geht schneller“), Kontrollbedürfnis („Dann verliere ich den Überblick“) oder schlicht unklare Erwartungen führen dazu, dass Delegation entweder gar nicht stattfindet oder in Mikromanagement endet.

Der zentrale Impuls für Mentor:innen: Nicht die „richtige Antwort“ liefern, sondern den Delegationsauftrag gemeinsam mit der Mentee schärfen. Was soll am Ende rauskommen? Für wen? Bis wann? Und woran erkennt man: „gut genug“?

Ergebnis – Spielraum – Ressourcen: der Delegations-Dreiklang

Als hilfreiche Struktur hat sich besonders bewährt:

  • Ergebnis klar machen: Ziel, Umfang und Qualitätskriterien so formulieren, dass „fertig heißt …“ wirklich eindeutig ist.

  • Spielraum explizit klären: Was darf die andere Person selbst entscheiden – und wo soll sie zurückkommen (Grenzen/Eskalation)?

  • Ressourcen sichern: Zeit, Informationen, Zugänge, Vorlagen, Kontakte. Ohne das ist es kein echtes Delegieren.

Unsere Praxistipps zeigten: Frühzeitige Check-ins (z. B. ein Mini-Zwischenstand „nach 20 %“) helfen, Kurs zu halten, ohne ständig über die Schulter zu schauen. Und: Lernen zulassen. Delegation ist auch Entwicklung – und Feedback gehört dazu.

Nein-Sagen: Prioritäten managen statt Rechtfertigungen sammeln

Im zweiten Themenblock ging es um ein „Nein“, das nicht trennt, sondern schützt: Zeit, Qualität, Fokus und Gesundheit.

Ein Ansatz, der sofort anwendbar ist, ist das Nein in drei Schritten:

  1. Wertschätzung/Verständnis: „Danke für die Anfrage – ich sehe, dass das wichtig ist.“

  2. Klare Grenze (kurz, ohne lange Begründung): „Ich kann das bis Freitag nicht übernehmen.“

  3. Alternative/Nächster Schritt (wenn möglich): „Ich kann Teil A liefern“ / „ab Dienstag“ / „Wenn das Priorität hat: Was soll dafür wegfallen?“

Für Mentor:innen hieß das im Kern: Mentees nicht „rausboxen“, sondern befähigen. Grenzen präzisieren, Formulierungen vorbereiten, Alternativen brainstormen und auch die Reaktion auf Zurückweisung einmal gedanklich durchspielen.

Unser Fazit aus der Runde

Delegieren gelingt, wenn Ergebnis, Spielraum und Ressourcen klar sind.
Nein-Sagenfunktioniert dann, wenn wir Prioritäten sichtbar machen und freundlich, klar und standfest bleiben.
Und Mentoring heißt (wie so oft): begleiten statt übernehmen.

Ausblick

Weiter geht’s im nächsten Kleingruppentreffen mit dem Schwerpunkt Zeit- und Selbstmanagement

Ein herzliches Dankeschön an alle Mentor:innen für die Offenheit und die Praxisbeispiele – und für Bilder, die im Kopf bleiben. Manchmal braucht es nur einen Perspektivwechsel, um im Führungsalltag klarer zu handeln.